
Feste soll man ja bekanntlich feiern, wie sie fallen. Und wenn das so ist, dann muss man auch das essen, was es gerade gibt. Und im Moment gibt´s Rhabarber in Hülle und Fülle. Von überall strahlen einem beim Einkaufen knallrote Rhabarberstangen entgegen und meine Liste, was es dieses Jahr alles mit Rhabarber geben soll, ist lang. Unter anderem standen Apfel-Rhabarber-Törtchen mit Baiser auf dieser Liste – in meinem Kopfkino ganz einfach und ebenso lecker, in der Realität dann leider weder gelungen noch wirklich lecker.

Wenn ihr eure Nerven ein wenig stärken wollt – Hyposensibilisierung beim Backen sozusagen: Hier gibt´s fünf ultimative Schritte mit Erfolgsgarantie.
Schritt 1: Man entscheidet sich, den noch eingefrorenen Mürbeteig zu nehmen, spart ja schließlich Zeit. Dann bitte aber vergessen, den Mürbeteig auszufrieren. Und schwups, verzögert sich das Ganze um Stunden.
Schritt 2: Den Rhabarber kleinschneiden und dabei merken, dass er absout faserig ist und dass die Schale vielleicht doch lieber ab sollte. Diese Einsicht funktioniert am besten bei solchen Stangen, deren Schale sich nur in klitzekleinen Stücken lösen lässt.

Schritt 3: Nachdem der Rhabarber kleingeschnitten und mit Zucker gemischt ist, geht´s an den Mürbeteig. Zum Glück schmeckt er noch und es ist noch so viel da, dass sich aus den Resten ein paar Herzen ausstechen lassen. Yeah! Glücklich darüber elanvoll ein Ei für den Baiser trennen, dabei aber bitte das Eigelb zerstören, sodass das erste Ei weg kann. Aber dann gibt´s immerhin etwas zum Mittag. Beim zweiten, diesmal erfolgreich getrennten Ei müsst ihr dann irgendetwas in der Rührschüssel haben, sodass sich das Eiwei nicht steifschlagen lässt. Das dritte Ei darf dann funktionieren.
Schritt 4: Die Tartelettes sind vorgebacken, Apfel und Rhabarber drauf verteilt und das Ganze im Ofen. Da man ja gerade nichts zu tun hat, kann man ruhig das Geschirr, das sich mittlerweile auf der Arbeitsfläche türmt, in den Geschirrspüler packen. Der muss allerdings noch ausgeräumt werden. Dabei bitte so schwungvoll vorgehen, dass die Glasflaschen, die oben drin liegen (!) und mit Wasser gefüllt sind (!!), ihren gesamten Inhalt über die Hose und den Küchenboden verteilen und letzterer unter Wasser gesetzt ist. So wird immerhin der Küchenboden schonmal geputzt.
Schritt 5: Voller Vorfreude und von dem Duft, der sich in der Küche breit macht, für die vorherigen Strapazen ein wenig entschädigt, öffnet ihr schließlich die Backofentür. Ganz wichtig: Richtig auf den Kuchen freuen! Sonst bringt das folgende nämlich nicht soviel: Kurz die Törtchen abkühlen lassen, feststellen, dass sie sich wunderbar aus der Form lösen – dann kann ja gar nichts mehr schief gehen – und mit noch größerer Vorfreude die Gabel in das Törtchen stechen. Ganz wichtig im Sinne einer Hyposensibilisierung: Feststellen, dass a) der Rhabarber zu sauer ist, b) die Äpfel völlig trocken sind und c) das Ganze durch den Baiser einen doch etwas eigenartigen Nebengeschmack erhält.

Wer das seinen Nerven nicht antun möchte, der übergeht einfach diese fünf Schritte und fängt direkt bei den Mini-Tartes an. Absolut gelingsicher, blitzschnell und vor allem: süßer Rhabarber, saftige Äpfel und kein Baiser, der aus irgendeinem Grund einen komischen Nebengeschmack von sich gibt.
Ich wünsche euch das schönste Wochenende!
♥
Ida

Minikleine Apfel-Rhabarber-Tartes (für 9 Stück)
2 Stangen Rhabarber
3 EL Zucker
200 g Frischkäse
60 g Créme Fraîche
2 Pck. Vanillezucker
1 kleiner Apfel
3 Scheiben TK-Blätterteig
etwas Zimt
- Den Rhabarber waschen, schälen und schlechte Stellen entfernen. In kleine Würfel schneiden mit dem Zucker mischen und eine halbe Stunde zur Seite stellen, bis der Saft ein wenig entzogen wurde.
- In der Zwischenzeit den Frischkäse mit der Créme Fraîche und dem Vanillezucker zu einer glatten Masse verrühren. Den Blätterteig ca. 10 Minuten auf einem mit Backpapier belegten Backblech antauen lassen.
- Jede Scheibe Blätterteig in drei Teile schneiden und mit dem Nudelholz ein kurz platt rollen.
- Den Apfel schälen, entkernen und in dünne Scheiben schneiden. Die Scheiben jeweils mittig auf den Blätterteig legen, dabei immer einen kleinen Rand lassen. Die Tartes im vorgeheizten Ofen bei 160° ca. 10 Minuten backen. Anschließend herausnehmen und kurz abkühlen lassen.
- Die Frischkäsemasse gleichmäßig auf alle Tartes verteilen, anschließend darauf den Rhabarber geben. Das Ganze nochmals ca. 15-20Minuten backen, anschließend auskühlen lassen.

